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Wie löslich sind Tattoo-Pigmente? Was hinter der BfR-Methode steckt

Redaktion TattooPixx · veröffentlicht 08.10.2026 · aktualisiert 13.10.2026
Glasküvetten mit klaren und pinker Flüssigkeit und ein Schälchen mit dunklem Pigmentpulver auf einem hellen Labortisch

Wie viel von einem Tattoo-Pigment löst sich im Körper eigentlich auf? Für diese Frage hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine neue Prüfmethode entwickelt und am 8. Oktober 2026 vorgestellt. Die neue Tattoo-Pigmente-Studie des BfR kommt zu dem Ergebnis, dass sich die meisten untersuchten Pigmente kaum lösen. Warum das eine wichtige Erkenntnis ist, aber kein Freifahrtschein, erklären wir hier.

Der Anlass: eine neue Prüfmethode des BfR

In seiner Mitteilung Nr. 059/2026 vom 8. Oktober 2026 beschreibt das BfR ein Verfahren, mit dem sich nach eigenen Angaben erstmals abschätzen lässt, wie stark Tattoo-Pigmente im Körper löslich sind. Die zugrunde liegende Fachveröffentlichung ist auf Englisch in der Zeitschrift ACS Measurement Science Au erschienen. Die BfR-Mitteilung ist eine Zusammenfassung für die Öffentlichkeit: Sie nennt weder die Zahl der untersuchten Pigmente noch konkrete Messwerte und liefert auch keine Rangliste einzelner Farbstoffe.

Warum ist Löslichkeit überhaupt ein Thema? Tattoofarben – im Szenejargon schlicht Ink – enthalten Pigmente, also winzige feste Farbpartikel. Ein Teil davon kann sich als einzelne Moleküle lösen. Laut BfR ist dieser Unterschied entscheidend: Gelöste Moleküle können sich frei bewegen und gelten als die Form, in der Stoffe eher Allergien auslösen oder das Erbgut schädigen können, als feste Partikel.

Was wird gemessen?

Es geht um sehr kleine Mengen gelöster Moleküle. Das BfR beschreibt sein Vorgehen in seiner Mitteilung so, dass es sich in drei Schritte gliedern lässt:

  • Lösen unter harten Bedingungen: Die Pigmente werden mit speziellen, stark wirksamen Lösungsmitteln gemischt. Welche das genau sind, nennt die Mitteilung nicht.
  • Messen mit Licht: Mit UV/VIS-Spektroskopie, einem optischen Verfahren, wird bestimmt, wie viele Moleküle sich aus dem Pigment gelöst haben.
  • Hochrechnen: Mit etablierten Verteilungsmodellen werden die Werte auf Wasser, Körperflüssigkeiten und Körperzellen übertragen. So ergibt sich eine Abschätzung der maximal möglichen gelösten Menge – laut BfR auch über Jahre oder Jahrzehnte.

Wichtig für die Einordnung: Die Aussagen zur Löslichkeit im Körper beruhen damit auf Modellrechnungen, nicht auf Messungen in tätowierter Haut. Das BfR spricht selbst von ersten Messungen.

Was folgt daraus?

Das zentrale Ergebnis: Die meisten untersuchten Pigmente erwiesen sich als sehr stabil. Sie bleiben überwiegend als feste Partikel bestehen und geben nur winzige Mengen einzelner Moleküle ab.

Daraus leitet das BfR eine Erklärung ab, die ausdrücklich als Deutung formuliert ist: Die geringe Löslichkeit könnte erklären, warum Allergietests auf Tattoofarben häufig negativ ausfallen. Allergische Reaktionen bei Tätowierten gehen demnach wahrscheinlich nicht auf die Pigmente selbst zurück, sondern möglicherweise auf Begleitstoffe, Verunreinigungen oder Abbauprodukte in Pigment oder Farbe. Diese Stoffe lösen sich laut BfR deutlich leichter und können in relevanten Mengen freigesetzt werden. Das ist eine plausible Hypothese, kein abschließend belegter Befund.

Für dich heißt das vor allem: Die Frage, was in einer Tattoofarbe steckt, reicht über das eigentliche Pigment hinaus. Begleitstoffe und Reinheit rücken stärker in den Blick.

Was die Studie nicht sagt

„Kaum löslich“ klingt beruhigend, ist aber nicht dasselbe wie „unbedenklich“. Drei Punkte aus der BfR-Mitteilung zeigen, warum:

  • Partikel bleiben nicht zwingend an Ort und Stelle. Ein Teil der Pigmentpartikel ist so klein, dass Fresszellen (Makrophagen) sie aufnehmen und über die Lymphbahnen abtransportieren können. Als feste Körnchen lagern sie sich dann in benachbarten Lymphknoten ein und können diese verfärben. Geringe Löslichkeit schließt diesen Partikeltransport also nicht aus.
  • Licht kann Pigmente verändern. Frühere Studien zeigen laut BfR, dass Sonnenlicht manche Pigmente in löslichere Moleküle zerlegen kann. Das hat die neue Methode nicht selbst untersucht – es ist aber ein Grund, warum Sonne nicht nur beim Verblassen von Tattoos eine Rolle spielt.
  • Begleitstoffe sind ein eigenes Thema. Gerade die leichter löslichen Nebenbestandteile gelten nach der BfR-Deutung als wahrscheinlichere Auslöser von Beschwerden.

Was bleibt offen?

Welche Pigmente genau untersucht wurden, welche Werte gemessen wurden und ob einzelne Farbtöne auffielen, geht aus der öffentlichen Mitteilung nicht hervor. Solche Details stehen – wenn überhaupt – im englischsprachigen Fachartikel, den wir für diesen Beitrag nicht im Volltext einsehen konnten. Eine Aussage nach dem Muster „Farbe X ist sicher, Farbe Y nicht“ lässt sich daraus also nicht ableiten.

Das BfR sieht in der Methode vor allem ein Werkzeug: Sie soll eine systematischere Bewertung von Tattoo-Pigmenten ermöglichen und helfen, problematische Pigmente zu erkennen. Nach Angaben des Instituts ist sie universell einsetzbar, also auch für andere schwer lösliche Stoffe. Wie sich die Befunde auf die Bewertung von Tattoofarben auswirken, muss die weitere Pigmentforschung zeigen.

Fazit: Ein Messwerkzeug, kein Sicherheitssiegel

Die neue BfR-Methode schließt eine Messlücke und liefert einen interessanten Befund: Die meisten untersuchten Pigmente lösen sich kaum. Ein Urteil über die Sicherheit bestimmter Tattoofarben ist das nicht – Partikeltransport, Lichtabbau und Begleitstoffe bleiben eigene Fragen. Wenn du ein Tattoo planst, lohnt sich das Gespräch über die verwendeten Farben; Anregungen dafür findest du in unserem Beitrag Das erste Tattoo – 10 Fragen. Studios mit ausführlicher Beratung findest du im TattooPixx-Studioverzeichnis.

Quellen: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Wie löslich sind Tattoo Pigmente? BfR entwickelt neue Prüfmethode, Mitteilung Nr. 059/2026 vom 08.10.2026; Fachartikel in ACS Measurement Science Au, DOI 10.1021/acsmeasuresciau.5c00214 (Volltext nicht eingesehen). Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Bildnachweise stehen im Beitrag bzw. in der Bildunterschrift. Hinweise auf Fehler nehmen wir gern über die Kontaktseite entgegen.
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